Säure-Basen-Störungen gehören zu den häufigsten Befunden in der Notfallmedizin. Eine systematische Interpretation der Blutgasanalyse ermöglicht die korrekte Diagnose und gezielte Therapie. Der normale arterielle pH-Bereich bei Hund und Katze liegt bei 7,35-7,45.
- pH beurteilen: < 7,35 = Azidämie; > 7,45 = Alkalämie
- Primäre Störung identifizieren: pCO₂ (respiratorisch) oder HCO₃⁻ (metabolisch)
- Kompensation prüfen: Erwartete kompensatorische Antwort berechnen
- Anionenlücke berechnen: AG = Na⁺ - (Cl⁻ + HCO₃⁻); normal: 12-24 mEq/L
| Störung | pH | pCO₂ | HCO₃⁻ | Häufige Ursachen |
|---|---|---|---|---|
| Metabolische Azidose | ↓ | ↓ (Komp.) | ↓ | DKA, Nierenversagen, Laktatazidose |
| Metabolische Alkalose | ↑ | ↑ (Komp.) | ↑ | Erbrechen, Diuretika |
| Respiratorische Azidose | ↓ | ↑ | ↑ (Komp.) | Hypoventilation, Atemwegsobstruktion |
| Respiratorische Alkalose | ↑ | ↓ | ↓ (Komp.) | Hyperventilation, Schmerz, Angst |
Achtung: Eine erhöhte Anionenlücke (> 25 mEq/L) deutet auf eine schwere metabolische Azidose hin — denken Sie an Ethylenglykolvergiftung, DKA, Laktatazidose oder Urämie. Nutzen Sie den Blood Gas Interpreter für automatische Berechnungen.
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bikarbonat-Substitution ist nur bei schwerer metabolischer Azidose (pH < 7,1) indiziert. Bei respiratorischen Störungen steht die Atemwegsmanagement im Vordergrund.
- Systematisch vorgehen — pH → Primärstörung → Kompensation → Anionenlücke.
- Anionenlücke immer berechnen — erhöhte AG = versteckte Säurebelastung.
- Ursache behandeln, nicht nur die Zahlen — Grunderkrankung identifizieren.
- Gemischte Störungen bedenken — mehrere Störungen können gleichzeitig vorliegen.